Seite 1 von 1

Das Vermächtnis (Testament of Sin)

Verfasst: 31.12.2009, 20:36
von Hexenjohanna
Bitte verschieben in Community Tests, danke! :-)

Also ich schreibe jetzt mal die adäquate Rezension zum Spiel: Ich verspreche: Sie ist genauso schnell gemacht wie DAS VERMÄCHTNIS (Testament of Sin). Hmm, das ist kein guter Einstieg, denn man kann der Sache durchaus Spaß abgewinnen, allerdings immer in Relation zur Erwartungshaltung.

Falls Du nach dem Motto: „Schlechtes muss nicht billig sein“ das Spiel gekauft hast, wirst Du vermutlich am wenigsten enttäuscht, denn das Spiel ist mittlerweile für um 10,- Euro zu haben und war wohl auch nie wirklich teuer. Dies erlaubt aber leider nicht den Umkehrschluss, denn auch wenn DAS VERMÄCHTNIS stellenweise Charme hat, ist es dennoch eher ein Spiel, dass nur als Lückenbüßer seine Berechtigung hat. Es wirkt ein bisschen wie abkopiert, wobei die Kopie dabei blasser und unschärfer geworden ist. Aber genug genörgelt. Hmm ne, ich werde im Laufe der Beschreibung wohl noch mehr Salz in die Wunden der Entwickler streuen. :mrgreen:

Worum geht’s?:
Die Archäologin Sylvie Leroux hat (ständig) Halluzinationen wegen eines ominösen Malteserordens und befindet sich derweil auf Malta bzw. Gozo. Ihr alter Onkel, hat in dieser Sache geforscht und ist (Überraschung) verschwunden. Sylvie spult nun wie an der Leine gezogen ihr Suchprogramm ab und findet heraus, dass hinter der Sache eine (Überraschung) uralte Legende steckt. Ihr begegnen einige nette Malteser, fiese Schurken in hübsche maltesische Ansichten und solchen auf Gozo und so weiter, bis sich das Spiel in einer antiken Stätte buchstäblich in Wohlgefallen auflöst, da die Endsequenz obergrottenschlecht ist.

Wie wird’s gespielt?:
Einfachst (was ich nicht schlecht finde): Links und rechts-Klicks reichen, sehr simple Maus-Symbole von der Typografie her, alle Gegenstände können nur auf eine, sich selbsterklärende Weise (auch in der Inventaransicht) verwendet oder kombiniert werden. Inventar- und Textleiste sind stetig präsent und können auch nicht abgewählt werden. Es gibt sowohl in Mono- oder Dialogen als auch in einer (selbst zu steuernden) Fragezeichen-Funktion ständig massive Hilfe. Insofern sollte jeder Anfänger das Spiel auch ohne Internethilfe schaffen können. Die Fragezeichen-Funktion ist allerdings an mindestens zwei Stellen dringend nötig, da die benötigten Gegenstände sonst absolutes Pixelhunting wären, was man nach dem Spielhergang aber irgendwann nicht mehr erwarten würde. Texte abkürzen kann man durch zwei Linksklicks, mit Doppel-Rechtsklicks läuft Sylvie befriedigend schnell genug.

Wie ist es mit Grafik/Spieldesign?

Das Vermächtnis (Testament of Sin) liebäugelt stark mit Baphomet's Fluch, flirtet mit Gabriel Knight 3 und reibt sich ein wenig an Indiana-Jones ohne mit ihnen eine echte Beziehung aufnehmen zu können. Was mir gefallen hat ist die Gestaltung der Innenraum-Ausstattungen, das kann mit besseren Spielen mithalten. Die Aussenszenen haben ihren Charme vermutlich von überarbeiteten Realbildern, sehen aber nicht schlecht aus. Putzig finde ich die Grafik bei zum restlichen Design nicht passenden, realen Luftbildern (bei den Reiseverlauf-Animationen „à la Indie“, das wirkt doch sehr so, als wollte man es sich einfach machen) Die Zwischensequenzen haben wenig Feinheit oder Perspektive uns sind deshalb nur mäßig stimmungsvoll, besonders was das Ende angeht. Die Spielfiguren wachsen einem nicht wirklich ans Herz, was auch an ihrer grob wirkenden Gestaltung liegt. Hätte Sylvie beispielsweise etwas mehr ausgesehen wie auf ihrem Passbild im Spiel, hätte ich sie sehr reizend gefunden. Die männlichen Protagonisten haben leider rein gar keinen Charme, vielleicht sollten die Entwickler bei der Gestaltung öfter mal ihre Freundinnen oder Frauen befragen, auch was die von den teilweise gönnerhaften Dialogtexten halten, die sich wohl auch nur noch männliche Storyschreiber trauen.

Lokalisation/Musik:

Die Arbeit der Sprecher fand ich ganz anständig. Die Musik enthielt ein Thema, das mich an ein geringfügig umgearbeitetes „Smoke on the Water“ von Deep Purple erinnerte und war ansonsten kein Highlight, störte aber auch nicht weiter.

Fazit:

Das Ganze ist streng linear gemacht, ich hatte keinerlei Probleme im Spiel, da ich keine Möglichkeiten hatte, mich beim Lösen großartig mit Nachdenken über verschiedene Möglichkeiten aufzuhalten. Insofern fühlte ich mich meistenteils nicht herausgefordert. Allerdings fand ich einige Kombinierereien unterhaltsam gemacht, sie hatten ganz kreative Ansätze, bekannte Fragestellungen anders anzugehen. Deshalb hatte ich auch Lust, das Spiel durchzuspielen. Der Humor im Spiel ist leider beschränkt auf ein, zwei gute Sätze, also fast gar nicht vorhanden. Am besten ist noch die Szene bei Bootsverleiher im Hafen. Unfreiwillig witzig ist hingegen manchmal die Wahl der Ausdrücke, die nahe legt, das die Übersetzung von den Sprechern so übernommen werden musste, wie vorgegeben. Es gibt Ausdrücke, die wie sehr altes Deutsch (aus östlicher Richtung) klingen.

Da das Spiel sehr günstig in der Spielepyramide zu haben ist und man sich damit für einen Abend einigermaßen nett bespaßen kann, würde ich durchaus eine Empfehlung aussprechen. Die Spieldauer hat bei mir ca. 5 Stunden betragen.