Ich hab mir den
IGF Finalist (Visual Art, Narrative, Audio sowie Grand Prize) auch mal zu Gemüte geführt. Sehr seltsamer Trip. Freunde klassischer Rätsel und Erzählstrukturen werden mit dem Spiel nicht sehr glücklich, das Gameplay wird fast komplett der Regie für Strorytelling und dem Aufbau einer dichten, rätselhaften, unbehaglichen Atmosphäre geopfert. Es gibt im Prinzip nur ein sehr einfaches Rätsel, der Rest besteht aus der Auswahl von simplen Aktionen an den spärlich gesetzten Hotspots, dem Durchklicken der Optionen seltsamer Dialoge, sowie dem Absuchen der Karte nach der nächsten Szene. Und nach einer Stunde ist es vorbei. Klingt nicht so spannend ... ich war schwer begeistert und komplett geflasht.
Es sind die Details und die Tiefe, die sich entfaltet, wenn man es zuläßt.
Da ist diese unterschwellige Spannung, das unbehagliche Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, dass man gleich etwas sieht, was man nicht sehen soll. Und dann kommt nichts.
Da ist dieses virtuose Überblenden von einem Szenenbild in ein anderes, die Kamerafahrten tief hinein in die Szenen und wieder hinaus in eine veränderte Szene, die grotesken Ideen.
Da sind die toll geschriebenen Textadventure-Szenen, die teilweise lyncheske Bilder im Kopf entstehen lassen.
Da sind die Details wie der Dialog mit dem Hund, der 100x nur Smalltalk ist aber in einer Szene unter bestimmten Voraussetzungen plötzlich ein ganzes Leben erzählt.
Da sind die Dialoge mit wechselner Gesprächsführung, die einen WOW-Effekt auslösen. Man beginnt mit dem Hauptcharakter und plötzlich antwortet man als der Gesprächspartner und erzählt dessen Version der Geschichte. Intensives Erlebnis.
Es sind die Szenen, die man nur findet, wenn man bestimmte Dialogoptionen wählt, dem Hund einen bestimmten Namen gibt, etc.
Ich hab die erste Episode jetzt 2x durch. Einmal mit ungeduldiger, vermeintlich zielfürender Dialogführung und einmal ausschweifend und gegenfragend - 2 völlig unterschiedliche Spielerfahrungen. Und ich hab noch nicht alles gesehen.
Bzgl. Atmosphäre und Erzählart wurde ich stark an die Filme von David Lynch erinnert, von der Langsamkeit und den Szenenbildern vielleicht an Jarmusch. Falls mal jemand fragt, wozu Indie Spiele gut sind, Kentucky Route Zero gibt die passende Antwort. Es ist langsam, kurz, ungewöhnlich, nur wenig Spiel aber gleichzeitig ein großartiger Trip. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Episoden.
Bei 4Players gibt es übrigens einen
Test, der es ganz gut trifft.