Toller Film, sehr düster, sehr blutrünstig, toll gespielt und sehr gut besetzt. Die Singerei war sogar erträglich, und dabei hasse ich Musicals wie die Pest (einzige Ausnahme: Rocky Horror Picture Show, aber da ist die Musik auch fetzig und cool

) bzw. kann es überhaupt nicht leiden, wenn in Filmen gesungen wird - ich liebe zwar Disney-Filme, die Singerei geht mir aber furchtbar auf die Nerven. Ich hätte mir Sweeney Todd daher vermutlich auch nicht angesehen, wenn ich nicht so ein Fan von Johnny Depp wäre; bei einer Zusammenarbeit Depp - Burton kann außerdem nicht viel schiefgehen, und ich muss sagen, ich bin nicht enttäuscht worden, im Gegenteil. Da hat alles gepasst, von der Besetzung über die Kostüme, das Design, die Kulissen und die Atmosphäre bis hin zum Gesang. Werde ich sicherlich in DVD-Form meiner Sammlung einverleiben
Ob die Rolle jetzt oscarwürdig war oder nicht, darüber könnte man streiten. Ich schätze, viele Depp-Fans schreien in erster Linie deswegen so laut nach einem Oscar, weil Mr. Depp seit Jahren kontinuierlich beweist, dass er ein ganz toller Schauspieler ist und das einfach von Hollywood zu wenig gewürdigt wird, während andere, "mainstreamigere" Schauspieler mit Auszeichnungen überschüttet werden. Da geht es wohl mehr ums Prinzip als um die Rolle selbst; dass Hollywood einfach mal anerkennt, was Johnny Depp seit Jahren leistet. Ihm selber ist das vermutlich aber vollkommen wurscht *g*
Persönlich halte ich die Oscars für wenig aussagekräftig; ich glaube, dass die schon sehr kalkuliert vergeben werden und dass political correctness und dergleichen neben der schauspielerischen Leistung durchaus eine Rolle bei der Vergabe spielen. Es war z.B. sonnenklar, dass Herr der Ringe erst nach Vollendung der Trilogie abstauben würde wie selten ein Film zuvor und dass die ersten beiden Teile nur wenige Trophäen bekommen würden. Oder dass Tom Hanks für Philadelphia ausgezeichnet wird, war auch logisch; die Mitbewerber hatten da überhaupt keine Chance, weniger, weil Tom Hanks so ein guter Schauspieler ist (er war in Philadelphia wirklich gut, ist aber keiner meiner Lieblingsschauspieler), sondern weil es für die Academy sicher auch irgendwo zum "guten Ton" gehörte, ein Aids-Drama auszuzeichnen. Hätte sie's nicht getan, wäre ihr womöglich Diskriminierung von Aids-Kranken vorgeworfen worden oder sowas. In manchen Jahren kann man sich einfach ausrechnen, wer ein Goldmanderl bekommt und wer nicht; dass weder Johnny Depp noch George Clooney oder Viggo Mortensen den Hauch einer Chance gegen Daniel Day-Lewis hatten, war mir in dem Moment klar, als ich die Nominierten gesehen hab. War ein Bauchgefühl, das sich bewahrheitet hat; dabei hab ich die übrigen Filme nicht mal gesehen

Ebenso sonnenklar ist aber auch, dass ein Tom Cruise nie im Leben einen Oscar kriegen wird; einen gewissen Qualitätsstandard gibt's dann halt doch, und Mittelmaß zählt nicht dazu
Außerdem ist Qualität immer auch was Subjektives; Hollywood mag ja finden, dass Titanic damals (hab das Jahr vergessen) der beste Film des Jahres war, ich fand den hingegen nur zum Kotzen - die beste Szene darin war für mich, als Leonardo im Atlantic versank und die drei Stunden endlich überstanden waren

Aber das ist natürlich letzten Endes Ansichtssache, was man gut findet und was nicht, und auch die Oscars können meiner Meinung nach nie 100%ig objektiv sein.
Shiny.