Nachdem ich gestern Abend "Planet Terror" angeschaut habe, mal mein Senf zu den beiden Grindhouse Filmen.
Von Tarantinos "Death Proof" war ich maßlos enttäuscht. Es kann sein, dass der Film in der wesentlich kürzeren Originalfassung weniger Längen und daher mehr Pepp hat, aber was in der dt. Version geboten wurde war ein altersschwacher Tarantino im Weichspühlformat.
Der gute Mann scheint sich in seinem eigenen Stil verheddert zu haben. Er kommt aus den ganzen (Selbst-)zitaten gar nicht mehr heraus, muss unbedingt den "Trunk Shot" und Michael Parks überall einbauen, auch wenn es gar keinen Sinn macht, und natürlich ist er für seine Dialoge bekannt. Also muss es Gelaber im Überfluss geben und wenn einem auf Teufel komm raus keine guten Sprüche einfallen, packt man eben lauter Schimpfworte rein, um richtig derbe und cool zu sein. In "Reservoir Dogs" und in "Pulp Fiction" waren die Dialoge, die völlig aus der Handlung herausgegriffen waren und von Themen handelten, die mit dem Film selber gar nichts zu tun hatten, locker und witzig und passten zu den Figuren. Hier wirkt das Gerede wie gewollt und nicht gekonnt. Langweilige Dialoge in einem Film von Tarantino - fast schon der beste Gag von "Death Proof".
Und irgendeine Struktur braucht man schon gar nicht. Böser Mann macht scharfe Bräute an und fährt sie über den Haufen. Schnitt. Einige Zeit vergeht. Böser Mann legt sich mit superharten Stundweibchen an, wird platt gemacht. Ende. Natürlich sollte es eine Hommage an die schlechten Grindhouse Filme sein, aber dass es einen Unterschied zwischen einer gekonnten Hommage und dem lieblosen Machwerk eines faulen Egozentrikers gibt, beweist Robert Rodriguez mit "Planet Terror" auf sehr eindrucksvolle Art und Weise.
"Planet Terror" sieht man in jeder Sekunde an, dass da jemand richtig Spaß an seinem Projekt hatte. Es soll kein Kult- oder Geniestatus zementiert werden, wie bei Meister Quentin, es soll einfach nur ein einfallsreiches Splatterfest abgebrannt werden. Absurde bis makabere Einfälle überschlagen sich ohne eine Atempause für den Zuschauer, der Schnitt ist dynamisch und zur selben Zeit überlegt eingesetzt, ohne aufgesetzt zu wirken und wenn ich nicht gewusst hätte, dass der Streifen gestreckt worden ist, wäre es mir nicht aufgefallen. Nicht einen Moment lang Langeweile.
Rodriguez packt einen Haufen abgefahrener Charaktere in seinen Film, von denen der blasseste mehr Präsenz und Persönlichkeit entfaltet als der gesamte austauschbare Cast von "Death Proof" zusammen. Natürlich sind die Charaktere platt und comichaft. Aber ihre simplen Marotten sind so liebevoll erdacht, dass man sie trotzdem einfach gern hat. Gesprochen wird wesentlich weniger als im ersten Grindhouse Film, die Sprüche sind vielleicht einen Tick zu hölzern, "sitzen" dafür aber einfach - Fast jeder Satz hat irgendetwas mit der Handlung des Films zu tun und entwickelt früher oder später einen Sinn im Rahmen der Story.
Diese ist natürlich völlig absurd und blödsinnig, aber in diesem Falle kann man tatsächlich sagen, dass sie "richtig" ins Grindhouse-Konzept passt. In "Planet Terror" ist Grindhouse ein Stilmittel, in "Death Proof" eine faule Ausrede. Ich hoffe, Rodriguez produziert tatsächlich einen "Machete" Film.
