Irgendwann Anfang des Jahres ging's in diesem Thread mal darum, warum es immer weniger klassische Adventures gäbe. Inzwischen geht's hier nur noch um die Frage, ob eine deutsche Synchro wirklich 'Pflicht' sei, aber vielleicht war genau diese Forderung ja schon in den ersten Post eingebacken.
KptJulzSparrow hat geschrieben: ↑20.01.2024, 14:58Die Entwicklung deratiger Adventures sollten ja um einiges einfacher und kostengünstiger sein, als ein COD, The Forest oder andere Kassenschlager, dennoch werden sie zu Release dennoch zu hohen Preisen verkauft... Das heißt die Wirtschaftlichkeit ist auf jeden Fall da und ich Denke das Zielpuplikum existiert auch in 2024 noch zu einer sehr hohen Zahl.
Du hast sicher Recht, dass das traditionelle P&C weiter viele Fans hat, besonders in Deutschland. Leider gehen die Faktoren für die Wirtschaftlichkeit weit über das vorhandene Zielpublikum hinaus.
Die Preise für Spiele sind nicht gestiegen, sie sind extrem gefallen.
Spiele werden oft bereits in der ersten Woche als Kaufanreiz reduziert. Irgendein Sale ist immer. Rabatte bis zu 95% weniger als ein Jahr nach Release sind keine Seltenheit. Dank Services wie "Early Access" werden Spiele oft bereits stark rabattiert, bevor sie überhaupt fertiggestellt werden. Dieses extreme Preisdumping haben wir maßgeblich Valve zu verdanken. Spieleentwickler, die überhaupt etwas absetzen wollen, können sich dagegen nicht sperren. Aber auch unser einstiger deutscher Adventure-Retter Daedalic hat massiv Preisdumping betrieben, als sie den einzigen völlig überflüssigen Teil der Deponia-Reihe zu Release auf der Cover-CD der Computer Bild verramscht haben.
Am Markt behaupten sich im Wesentlichen AAA-Hersteller.
Klar sticht ab und an mal eine Indie-Perle heraus. Aber selbst die ist oft nur dann lukrativ, wenn da höchstens zwei-drei Programmierer dran gewerkelt haben. Der Markt ist dominiert von Unternehmen mit hunderten oder sogar tausenden Mitarbeitern, einem Aufsichtsrat und Aktionären, die von der Idee ewigen Wachstums völlig besessen sind. Auch hier ist der Spieler irgendwo in der Schuld, denn bei den sauteuren AAA-Knallern mit ihren DLCs und Mikrotransaktionen kauft er auch den öden sechzehnten Teil einer Spielereihe noch an Tag eins, bei ohnehin günstigeren Indie-Spielen jedoch lässt er sich Zeit bis zu fetten Rabatten. So kommt es zur Monopolbildung, und das Monopol hat an der Nische einfach kein Interesse. Hätte Daedalic nicht versucht, so immens zu wachsen, wären sie nicht so fürchterlich auf die Fresse gefallen.
Die deutsche Synchro-Kultur ist im Arsch.
Adventure-Übersetzung ist fordernd für einen Übersetzer, und das Preisdumping aktuell ist atemberaubend. Meine Firma hat vor ein paar Jahren mal sehr kurzfristig versucht, in den Bereich Untertitelung von Serien (bei dem Dienstleister eines sehr großen Streamingservices) reinzukommen, du machst dir keinen Begriff, was da aktuell abgeht. Das geht wie bei den Lieferservices munter abwärts von Subunternehmer zu Subunternehmer zu Subunternehmer, bis du rechnerisch auf kein Zehntel des Mindestlohns mehr kommst. Und das war vor der exponentiellen Zunahme von Vollpfosten, die glauben, maschinelle Übersetzungen im Bereich erzählerischer Medien einsetzen zu können ("muss halt nochmal jemand drüberlesen"). Und der deutsche Konsument schluckt es eben wie die Fliegen in der Not. Nicht nur die zusammengeschluderte Übersetzung zu drei Cent pro Wort, nicht nur die maschinelle deutsche Übersetzung auf der GOG-Seite, sondern eben leider auch die beschissene Dialogregie und die ewiggleichen "Stimmen von Hollywood-Schauspieler XYZ". Diese Situation wird sich absehbar verschlimmern, weil Künstliche "Intelligenz" sich natürlich nicht nur Texte und Bilder aus dem Internet zusammenklauen kann, sondern eben auch Stimmen (und vieles andere mehr). Ob die ohnehin überalterte deutsche Standard-Sprecherriege in ein paar Jahren überhaupt noch Jobs hat, keine Ahnung. Wir haben Tausende hervorragend ausgebildete Sprecher und Schauspieler jeden Alters in Deutschland, die Glück haben, wenn sie auf ihrem Lebenslauf zwei Fucking Tatorte verbuchen können, ansonsten gehen sie halt Brötchen verkaufen.
Die Erwartungen der Spieler sind zu hoch und zu diffus.
Deutsche Synchro? Hat der Carsten Fichtelmann hier glaube ich vor 10 Jahren mal bei einem 08/15-Adventure auf 50.000 € beziffert, die Kosten dürften heute sogar noch erheblich höher liegen. Traditionelle, detaillierte, realitätsnahe Animation? Macht ja nicht mal mehr das Studio Ghibli, weil es viel zu teuer ist. Trotzdem haben wir Ron Gilbert zu Return to Monkey Island nicht weniger abverlangt. Also "wir", naja, ich tatsächlich nicht. Aber ich kriege auch ganz arrogant das Kotzen, wenn ich mir die 'Grafik' aktueller Indie-Adventures ansehe und denke: Ja, das könnte ich selbst um Klassen besser. Eine weitere Erwartung, die von den AAAs künstlich hochgezogen wurde, ist jene an die "Spielzeit". Es scheint echt, je näher ein Spieler dem Grab ist, nachdem er sich durch so ein repetitives 200-Stunden-Ding gequält hat, desto besser gefällt es ihm. Adventures sind da raus, da geht die absurde Euro-pro-Stunde-Rechnung einfach nicht auf.