Hier mein Review zu"The Next small ... äh... BIG Thing":
Bevor ich loslege sollte ich erwähnen, dass dies mein erstes Crimson Cow Adventure war. Ich habe zwar alle Runaway-Spiele gekauft, aber bisher noch keines gespielt. Wollte bevor Teil 3 rauskam mal loslegen, hab aber den 1. weder auf meinem PC (mit Vista) noch Laptop (Mit Windows 7) zum Laufen gebracht; stürzt mir immer beim Intro ab. Sachdienliche Hinweise werden - insbesondere vom CrimsonGeorg, als Entschädigung für das Watchmen-bashing

Letzten Dienstag schreite ich also durch den Saturn meines Vertrauens, und da mein Geburtstag war und der Preis mit € 30,- recht moderat erschien für einen neuen Adventure-Release, beschloss ich mich zu einem Einaug-Kauf (Blindkauf war's insofern keiner, als dass ich vom Spiel natürlich schon gehört hatte; aber ich hatte halt auch noch keine Reviews/Meinungen gelesen), um mir selbst ein kleines Geschenk zu machen. Da ich zudem die letzten Tage ausnahmsweise auch mal genug Zeit hatte, kann ich nach sehr langer Zeit endlich wieder zeitnah zum Release meine Meinung zu einem Adventure abgeben

Am nächsten Abend wurde das Spiel dann installiert, und nach 8-1/2 Stunden war der Spuk auch - leider - schon wieder vorbei. Wobei hier festgehalten werden sollte, dass ich zu den langsamen, auskostenden und genießenden Adventure-Spielern gehöre, und auch nicht gleich nach 5 Minuten wenn ich anstehe haareraufend nach einer Komplettlösung suche; auch dadurch wird die Spielzeit natürlich aufgebläht. CrimsonGeorg mag damit recht haben, das 8 unterhaltsam verbrachte Stunden besser sind als 16 langweilige, aber für den Preis erschien mir die Spielzeit dann doch etwas knapp bemessen. Immerhin kriege ich fürs gleiche Geld bei TellTale 5 Episoden mit je 3-5 Stunden Spielzeit...
Das Spiel an sich ist gut. Nicht überragend, aber ein solider Eintrag ins Genre. Über (fast) jeden Zweifel erhaben ist die grafische Präsentation. Die Hintergründe sind wunderschön gezeichnet, die Figuren gut gestaltet, und die Zwischensequenzen fügen sich in der Tat nahtlos in die Spielegrafik ein. Einzige Kritikpunkte, die für mich die neue Genrereferenz verhindern (das ist für mich nach wie vor Lost Horizon) sind, dass die Hintergründe doch etwas leblos ist - etwas mehr Animationen hätten hier nicht geschadet - und die Figuren keine 3D-Modelle sind und sich daher nicht flüssig, sondern teilweise etwas ruckhaft um die eigene Achse drehen. Das ist aber wirklich meckern auf höchstem Niveau...
Die Story war ok, ich stimme aber mit jenen Stimmen überein die meinen, dass vieles etwas sprunghaft abgehandelt wird und daher einige Wendungen und Entwicklungen kaum Zeit haben, sich zu setzen. Es wirkt etwas überhastet und unausgegoren. Wie ebenfalls schon erwähnt werden uns einige Dinge nur erzählt, die man uns wohl besser gezeigt oder noch besser uns hätte spielen lassen sollen. Dann hätte ich mich auch stärker in die Handlung involviert gefühlt. Das Ende war aber in der Tat klasse, und sogar ein bisschen bewegend. Was den Humor betrifft, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Humor ist natürlich immer Geschmacksache; was den einen über den Boden kullern lässt entlockt einem anderen gerade mal ein müdes Lächeln. Letzteres gilt leider für mich und „The Next BIG Thing“. Viele der Sprüche machten auf mich eher einen verkrampften und bemüht-witzigen Eindruck, und auch die Anspielungen auf Film- und Fernsehen fielen deutlich spärlicher aus als ich das erwartet hätte. Da hatte selbst das Werbe-Adventure „Bifi – Action in Hollywood“ Mitte der 90er mehr zu bieten. Die wenigen Anspielungen die es gab waren für mich aber ganz klar die Highlights (allen voran der Blade Runner-Monolog); hiervon hätte ich mir nur deutlich mehr gewünscht und erwartet.
Was die Figuren betrifft: Mit dem von sich selbst überzeugten, arroganten Ober-Macho Dan bin ich leider nie so recht warm geworden, und fand daher auch die Liebesgeschichte zwischen ihm und Liz sehr konstruiert und nicht überzeugend. Nicht falsch verstehen: Man kann ruhig mit einer so oberflächlichen Figur anfangen, die sich dann in bester Heldenmanier wandelt – nur habe ich von einer ebensolchen Wandlung nicht viel mitbekommen (auch wenn man eine angebliche solche zum Bestandteil eines Rätsels gemacht hat). Liz gefiel mir da schon deutlich besser. Eine sehr… verwirrende! *g*… Figur, aber durchaus charmant und herrlich schrullig. Die anderen Figuren wurden aber leider sehr stiefmütterlich behandelt und haben de facto bei mir keinen Eindruck hinterlassen. Schade! Auch hier hätte ich durchaus einiges an Potential gesehen…
Das Wichtigste an einem Adventure sind aber natürlich im Endeffekt die Rätsel (zumindest für mich). Was das anbelangt, machte „The Next BIG Thing“ ebenfalls einen recht guten Eindruck. Den Schwierigkeitsgrad fand ich besser als z.B. bei „Lost Horizon“ (das ich unmittelbar davor gespielt habe), dafür war das Rätseldesign bis auf wenige Ausnahmen recht schlicht (was das betrifft fand ich „Lost Horizon“ wiederum abwechslungsreicher). Angenehm aufgefallen ist mir die Fülle an Hotspots, die man teilweise auch öfters anklicken sollte (vor allem die Schachteln waren diesbezüglich genial), und die den Schwierigkeitsgrad etwas angehoben haben. Dennoch waren die Aufgaben aufgrund des meist überschaubaren Inventars und der wenigen zugänglichen Locations meist recht einfach zu bewältigen, da die Lösung oftmals auf der Hand lag. Lediglich 2 Kopfnüsse erforderten einen Blick in die Komplettlösung (bei den Hierogylphen habe ich die Lösung einfach trotz mehrmaligen Herumprobieren und fleißigem Aufschreiben partout nicht herausbekommen, und ein anderes Mal habe ich einfach einen Gegenstand übersehen). Als sehr frustrierend empfand ich hingegen das Orchester-Rätsel; defacto ein Minispiel, welches viel Geduld und auch etwas Glück erforderte, da man die neue Blume immer genau zum richtigen Zeitpunkt anklicken musste. Hier wäre aus meiner Sicht die Option, das Rätsel zu überspringen, wünschenswert gewesen (wenn dies auch die Spielzeit bei mir gleich wieder um eine halbe Stunde reduziert hätte


Fazit:
Alles in allem hat mich „The next BIG Thing“ recht gut unterhalten, aufgrund des sicherlich vorhandenen Potentials war ich aber doch etwas enttäuscht. Die Spielzeit ist für mich hart an der Grenze zum gerade noch vertretbaren für ein Fast-Vollpreis-Spiel, die Story hätte etwas runder erzählt werden können, mit Dan bin ich leider überhaupt nicht warm geworden, und was den Spaß-Faktor betrifft hatte ich mir auch mehr erwartet. Die Rätsel waren dafür bis auf den Orchester-Aussetzer durchaus ok, wenn auch nur selten wirklich fordernd und wenig abwechslungsreich. Die Grafik ist jedoch in der Tat grandios und wohl die größte Stärke des Spiels.
Gesamtwertung: 75%
PS: Zwar ist „The next BIG Thing“ überwiegend und angenehm Bug-frei, zumindest bei mir ist das Spiel aber 1x völlig unerwartet und scheinbar grundlos abgestürzt. Dank dem Autosave beim Ausstieg ist ein Zwischenspeichern zwar grundsätzlich nicht unbedingt erforderlich, bei längeren Sessions rate ich aber zur Sicherheit dazu, doch gelegentlich einen Spielstand anzulegen – für alle Fälle.