Dank einer Erkältung hatte ich gestern ungeplant viel Zeit und bin State of Mind nochmal angegangen. Und ich habe es nicht bereut. Der Spieleinstieg ist meiner Meinung mit die schwächste Phase des Spiels. Dialoge mit übervorsorglichen Ärzten und ein paar Hotspots ablaufen. Zwar steigt auch danach der Spannungsbogen eher langsam, aber mir gefiel die Atmosphäre, so dass ich mir gerne alle Hotspots und Infos angesehen und Gesprächen von Umstehenden gelauscht habe. So konnte ich ganz gut in die Welt eintauchen und mich in die Charaktere hineinversetzen, so dass ich deren Geschichte und den Brotkrumen gerne und mit zunehmender Neugier gefolgt sowie Dinge nachfühlen konnte. Ich fand die Plots werden sehr erwachsen erzählt und haben durchaus auch etwas Tiefe, was auch für die gesamte Geschichte rund um das Thema Realität, virtuelle Realität und was ist ein lebenswertes Leben gilt.
Ich kann nicht sagen, ob ich das Spiel schlechter gefunden hätte, wenn ich schon Detroit gespielt hätte. Die Grafik, die mich auf Screenshots noch so gestört hat, störte mich in Bewegung schnell gar nicht mehr. Die verschiedenen Orte wurden schön, teilweise auch durchaus atemberaubend, in Szene gesetzt und auch die Animationen der Charaktere waren durchaus ok. Die grafische Umsetzung passte sehr gut zur Atmosphäre und hat sie für mich vertieft.
Ich habe mir keine Gedanken gemacht, ob State of Mind jetzt ein Adventure, ein interaktiver Film oder überhaupt noch ein richtiges Spiel ist. Für mich war die Frage eher, ob mich das Spiel außer umherlaufen genug machen lässt, dass ich beteiligt fühle. Und für mich ist die Antwort da ein "Ja". Neben dem Aufnehmen von Infos über Hotspots und mitgehörten Gesprächen noch die richtige Rückschlüsse ziehen, wo und wie es jetzt weiter geht, oder eben ein paar einfache Aufgaben übernehmen, die sich aus der Story ergeben. Etwas aufgesetzt wirkten da die eine oder andere Geschicklichkeits- oder Logikübung (z.B. Dronenflüge, Hacken, Dome Labyrinth). Aber die waren alle vom Anspruch her auf so seichtem Niveau, dass sie sich locker weggespielt haben.
Ist State of Mind ein Spiel, wo man am Ende Stolz sein kann, es erfolgreich durchgespielt zu haben?
Ganz sicher nicht - dazu fehlen einfach irgendwelche Herausforderungen spielerischer Art.
Ist es etwas, was einen durch Story und Atmosphäre mitreißen kann, dass einen durch Beschäftigung in die Welt hineinzieht, so dass man sich mit den Problemen der Charaktere und den Fragen, die aufgeworfen werden beschäftigt?
Für mich war es das. 9 - 10 Std. Zeit, wo mich State of Mind fast durchgehend bestens unterhalten hat. Und die eine oder andere Frage zum Thema schwirrt mir noch im Kopf herum. Da kann ich dann irgendwo nicht großartig meckern...
Falls jemand auch ein System in der Nähe der Mindestanforderungen nutzt. Meines ist sogar etwas drunter (Core2Quad 2,5 Ghz, 4GB RAM, ATI HD 5770 1GB VRAM). Aber mit Anti-Aliasing, Texturen & Reflexionen auf "gering", Dynamische Schatten und Bewegungsunschärfe aber auf an sowie VSync auf aus, lief es mit 1680x1050 im Vollbild (keine anderen Programme im Hintergrund) butterweich. Grafikkartenlüfter lief allerdings auf maximaler Drehzahl.
